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WWOOFing – wir ziehen auf eine Farm

05/02/2020

Auf unseren Reisen lieben wir es, mit Menschen näher in Kontakt zu kommen. Zu erfahren, wie sie leben, was sie ausmacht. Denn ein Land, lernt man nur über seine Menschen kennen. In Neuseeland gibt es diese wunderbare Möglichkeit und diese nennt sich WWOOFing – World-Wide Opportunities on Organic Farms. Es erlaubt jeder Person, auf biologischen Farmen zu helfen und im Austausch dafür auf der Farm mit zu leben. Man erhält für seine Arbeit also kein Geld, sondern ein Zimmer und Mahlzeiten. Unsere Suche nach einer passenden Farm hat etwas länger gedauert und als wir schon fast mit dem Thema abgeschlossen hatten, flatterte Toms Email in unser Postfach. Seine Farm liegt 30 Minuten westlich von Auckland. Wir vereinbaren, für fünf Tage zu ihm zu kommen.

Tom ist selbst auf einer großen Farm von 40ha aufgewachsen und ist mit der Landwirtschaft eng verbunden. Seine eigene Farm nennt er „it’s just play“, ein Kinderspiel. Aber für ihn der perfekte Ausgleich, oder die perfekte Ergänzung zu seinem eigentlichen Job. Denn Tom ist Design Ingenieur. Er hat einfach ein Gespür für Technologien, auf die die Welt wartet. Neuseeland ist bekannt für seine Meerestechnologien und Tom hat dazu beigetragen. Er hat 2005 ein Amphibienboot entwickelt, mit dem er weltweit großen Erfolg hatte. Ein sehr spannendes Projekt, über das ihr hier (https://www.nzstory.govt.nz/stories/the-boat-that-walks-sealegs/) mehr lesen könnt. 
Er hat es nie studiert. Er sagt selbst: „Ich kann es einfach. Die Ideen sind in meinem Kopf und ich kann sie umsetzen.“ Es komme im Wesentlichen nicht auf die Bildung drauf an. Was wirklich zählt, sind vier Dinge, die man sich fragen sollte: 1. Was tue ich gern? 2. Was kann ich gut? 3. Was brauchen die Menschen auf der Welt? 4. Sind sie bereit dafür zu bezahlen?
Tom ist aktuell bereits an einer neuen Entwicklung dran, wollte aber noch nicht viel verraten. Es hat jedenfalls etwas mit Wasser zu tun. Wir sind super gespannt, womit er die Welt diesmal überraschen wird.

Wir als Wwoofer

Wir arbeiten sechs Stunden pro Tag. Unsere Hauptaufgaben bestehen aus Unkraut jäten und Rinder treiben. Toms Farm ist eine wahre Vorzeigefarm. Alles ist in absoluter Top-Ordnung, sein Farmhaus ist groß und modern, der Garten einfach wunderschön angelegt. Wir erkennen sofort: Hier steckt wahnsinnig viel Liebe drin. Es gibt eine klare Struktur, alles ist genau durchdacht. Die klare Anordnung der Gemüsebeete, Obstbäume und die vielfältigen exotischen Pflanzen… Alles in allem könnte seine Farm in eine Ausgabe über „How To Modernize Farm Living“ passen.
Von vielen Pflanzen kennen wir nur die Früchte: Spargel, Artischocken, Rote Beete. Alles, was es im Supermarkt an Gemüse, Obst oder Kräutern zu kaufen gibt, finden wir auch hier. Tom ist es ein Vergnügen, uns alles genau zu zeigen und zu erklären. Innerhalb von Minuten lernen wir so unglaublich viel! 
Leider auch, dass wir über Gemüseanbau wenig Ahnung haben. Unkraut von einer Pflanze zu unterscheiden, ist manchmal nicht so einfach. Wenn wir uns nicht sicher sind, dann riechen wir zunächst. Oft erkennt man es am Geruch. Können wir es nicht deuten, probieren wir es zu essen. Spätestens dann erkennen wir, ob es Gemüse oder Unkraut ist. 

Tag 3, 7 Uhr. Wir wachen auf und unsere Blicke gehen Richtung Fenster. Unser Zimmer ist im Obergeschoss von Toms Haus. Von hier oben können wir über den Garten hinweg auf die Weide schauen. Es schüttet wie verrückt. Schon die ganze Nacht hat es geregnet. Der Forecast für den Tag sagt auch nichts wirklich besseres voraus. Auf einer Farm zählt das nicht. Die Rinder müssen ins nächste Feld getrieben werden. Tom gibt uns Gummistiefel und Regenkutten. Während wir über die hohe Weide zu dem Rindern laufen, erzählt uns Tom über sich, seine Farm, seine Vision. Es macht Spaß ihm zuzuhören. Wir lassen ihn erzählen und hören einfach zu. „Diese Arbeit erdet mich. Ich würde im Leben keine große Farm führen wollen, wie meine Eltern. Aber dieses kleine Stück Land, schafft Balance in meinem Leben. Ich gehe jeden Tag drei Mal auf die Weide und rücke die Rinder immer ein Stück weiter. Das ist schonender für den Erdboden und die Rinder haben immer frisches Gras. Wenn ich sie am Ende der Saison verkaufe, sind sie nicht einfach fett, sondern wohl genährt.“ Er experimentiert eben gern. Die letzten Jahre, hatte er damit Erfolg und hat mit seinen Rindern gute Erträge erzielt.
Die Farm ist sein Ausgleich, seine Balance. Er liebt, was er tut. Das sagt er selbst und das spürt man. Und wir können es total verstehen. So ein kleines Paradies, was er sich hier geschaffen hat, wie kann man das auch nicht lieben. Wir sind inzwischen völlig durchnässt. Der Regen prasselt auf unsere Kapuzen und lässt die Tropfen übers Gesicht fließen. Wir gehen langsam zurück. Zeit für den 10Uhr Morgentee.

Es sind die Menschen, die eine Reise ausmachen.

Auf Toms kleiner Farm leben außerdem sein Sohn John und sein Kumpel Harold. Nicht zu vergessen: Loki, Harolds Hund. Es ist ein Männerhaushalt. Alles ist locker und easy. Über den Tag macht jeder sein Ding. Aber am Abend wird gemeinsam gekocht, soviel steht fest.
Harold ist die meiste Zeit in seinem Zimmer. Er schreibt Filmkonzepte und ist gerade dabei, sein neuestes Konzept zu finalisieren. Erst kürzlich war er in Malaysia, um Investoren für seine Filmidee zu akquirieren. Die Verhandlungen stehen kurz bevor und Harold ist super aufgeregt. Nur noch ein paar Tage und dann hat er Gewissheit, ob sich die letzten drei Jahre seiner Arbeit gelohnt haben. „Das ist immer so. Du hast eine Idee, recherchierst, sprichst mit den richtigen Leuten und dann geht die Arbeit los. Du musst lernen, an deine Idee zu glauben. Es braucht einen langen Atem. Aber am Ende, wenn das Drehbuch geschrieben ist und die Produktion beginnen kann.. Das ist etwas ganz Großes!“
Am Morgen unserer Abreise schleichen wir um 4:30 Uhr durchs Haus. In der Küche brennt bereits Licht, der Wasserkocher sprudelt. Harold ist schon munter und macht uns Tee und Kaffee. Er würde uns nicht einfach gehen lassen, ohne uns noch einmal gedrückt zu haben. „You cannot leave before Sunrise when nobody says you goodbye.“ Hach.. was sollen wir dazu nur sagen.

Es sind die Menschen und ihre Geschichten, die in Erinnerung bleiben. Die fünf Tage bei Tom waren kurz, aber intensiv. Wir werden die Jungs vermissen, ganz sicher. Das Unkraut jäten eher nicht 🙂 

Wen das Thema WWOOF interessiert, kann sich auf der Website von Wwoof.nz umschauen. Über diese Platform haben auch wir unsere Farm gefunden. Unsere Wwoofing Woche hat uns so sehr an Erfahrung bereichert, uns mehr über Neuseeland, seine Menschen und Landwirtschaft erfahren lassen. Wir können diese Möglichkeit zu Reisen ganz sicher weiterempfehlen. Wer offen ist, sich auf Menschen einzulassen, ihnen zu Vertrauen und positiv zu begegnen, der wird bei diesem Programm eine tolle Zeit haben! Man benötigt kein Arbeitsvisum um zu Wwoofen. Jeder kann und darf auf biologischen Farmen aushelfen. Die Dauer deines Aufenthaltes bestimmst du! Bei uns haben die fünf Tage gut in unsere Reiseplanung gepasst. Es gibt aber auch Leute, die länger auf einer Farm bleiben, oder eben kürzer. Für die Farmer sind Wwoofer keine billigen Arbeitskräfte, sondern eine Chance, um Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen. Sie mögen den kulturellen Austausch und haben keine Scheu, ihr Haus für dich zu öffnen und mit dir zu teilen. Wir finden das klasse und würden es ganz sicher noch einmal tun. 

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